17.Juni
Luxor
Die Fahrt nach Luxor und ins Tal der Könige war sicher der Ausflug mit den meisten Eindrücken.
Einer meiner Träume wurde wahr. Endlich konnte ich einige der interessantesten historischen Anlagen in der Wirklichkeit sehen. Über das Tal der Könige , die Grabräubereien in den Pharaonengräbern, über Tut Anch Amun; über die Wandbilder, die Statuen ... hatte ich schon viel gelesen, Bilder gesehen... Aber die Wirklichkeit ist doch anders. Vor einigen Wochen war ich im Ägyptischen Museum in Charlottenburg. Na ja, das war nicht so beeindruckend , wie ich gedacht hatte. Da waren auch nur wenige , meist kleine , Statuen und Nofretete ausgestellt. (Jetzt weiß ich, dass sie Nefritity = die schönste Frau geheißen hat.)..Hier gibt es viele Souvenirs mit ihrer bekannten "Büste" – im Gegensatz zu den deutschen "Kopien" wird sie hier aber in voller Schönheit, mit vollständigen Ohren und beiden Augen, dargestellt.
Anreise
Bereits um 5 Uhr wurde ich geweckt. Es ging zum Frühstück, das wie immer gut und ausreichend war.
In der Hotelhalle versammelten sich um 5.45 Uhr viele Leute. Aber, wie auch die anderen Ausflüge, war die Reise gut und übersichtlich organisiert. Unser – gut deutsch sprechender Reiseleiter, der immer eine E.T.I.- Tafel mit sich führte, damit wir ihn nicht übersehen konnten, führte uns zum Bus Nr. 3. ... Immer, wenn wir uns treffen sollten, schallte von nun ab sein Ruf "ETI, Bus Nummer drei !!!!" deutlich hörbar durch die Gegend....
Zuerst fuhren wir zur "Bussammelstelle". Seit einem Anschlag, über den ich später noch berichten werde, dürfen Turistenbusse nur noch "In bewachter Kolonne" durch die Wüste fahren. Die Bewachung erfolgt durch Militär, das in mehreren Jeeps, bis zu den Zähnen bewaffnet, den Konvoi anführt und abschließt... Die Soldaten vermitteln den Eindruck der "Sicherheit" – stören aber nie, fallen kaum auf....
Zu unserem Konvoi gehörten 16 Busse und mehrere Kleinbusse und Jeeps, die ., meist von Hurghada aus, den Weg nach Luxor antreten wollten. Die Reise ging ca. 200 km durch die Wüste. Die Gesamtstrecke betrug je Weg 260 km....
Nachdem sich alle Fahrzeuge formiert hatten, ging die Reise richtig los. Unser Reiseleiter erzählte, um die Fahrt abzukürzen, viel über Ägypten. Über Geschichte, Besatzungen, Wirtschaft, Heiratsgewohnheiten, Sitten ....
Nach einer Stunde gab es den ersten Halt. In einem Dorf, das offensichtlich hiervon lebt, machte die Kolonne Pause. Man konnte Souvenirs kaufen, sich mit Kamel fotografieren lassen....
Die weitere Strecke war sehr interessant. Die Wüste (kahle Felsen anfangs, später viel Sand), das plötzlich auftretende Grün einer Stadt, die typisch ägyptische Stadt (alle Häuser sehen unfertig aus, viele haben kein Dach, die meisten sind im "schmutzigen Wüstengrau" aus Lehmziegeln gefertigt, viele haben auf dem Dach keinen Abschluß, damit man weitere Etagen aufbauen kann... ohne Statik, sicher der Grund, warum in Kairo manchmal fünfstöckige Häuser so einfach einstürzen....)
Nach einigen Polizeikontrollen und nach einer Fahrt am Nil entlang, erreichten wir unser erstes Ziel.
Karnak Tempel
Am Tempel wurden wir ausgeladen. Schon nach einigen Minuten waren wir bei den beeindruckenden Widder- Sphinxe (Widder = Gott Amun Re); mit Löwenkörper; Sie haben den Pharao, den er beschützt, zwischen seinen Vorderpranken.. Diese , zum Teil noch gut erhaltenen Figuren , waren in zwei Reihen aufgestellt... Gleich dahinter erhebt sich eine hohe Mauer, Ein Tempel, der nie fertig gestellt wurde. Innen, auf der Rückseite, kann man sehen, wie er gebaut wurde : Es wurde ein Berg aus Schlamm aufgeschüttet, der als Rampe genutzt werden kann.... Große Statuen, Obelisken, Mauern, Ruinen, viele Hyroglifen an den Wänden und den vielen hohen Säulen... Alles ein beeindruckendes Bild...
(Da ich das nur schlecht wiedergeben kann, habe ich ein paar Internetseiten hierzu heruntergeladen)
Um einen berühmten Skarabeus ("Eigentlich so eine Art Kakerlake" sagte mir ein Händler mal...) muß man 7 mal herumlaufen, wenn man ein Kind bekommen will (Keine der Frauen unserer Gruppe hat das probiert)
Ich habe viele Fotos gemacht. Einige Ecken der Anlage kamen mir aus Abenteuerfilmen (Indiana Jones; und so...) sehr bekannt vor.
Als ich ein paar Minuten allein spazieren ging, um ein paar Fotos zu "schießen" kam ein Araber auf mich zu , der mir geheimnisvoll zuflüsterte "Hatschepsut !!!!!" und mich in eine verlassene Ecke locken wollte... Irgendwie wirkte das leicht gruselig...Ich hab mich nicht getraut, mitzugehen... Ob ich eine spannende Story verpaßt habe ??? Oder nur den Versuch, mir ein paar Pfund "abzuluchsen" ???
Mittagessen
Nach dem Tempelbesuch ging es zum Mittagessen. Natürlich auch, wie immer "all inclusiv"...In einem Hotel , in Stadtmitte, direkt am Nil...
Nilfahrt
Nach dem Essen ging es über die Straße, in ein anderes Hotel (Hier, wie öfter mal, mußten wir durch einen Metalldetektor. Das Sicherheitsbedürfnis für die Touristen ist hier enorm hoch. Jedes Hotel hat seine eigenen Wachmannschaften, die meist auch bewaffnet sind. – Ob es Polizisten, Soldaten, Wachleute, wenn ja, aus welchem Hotel, sind , erkennt man an den großen Stoffschildern am rechten Arm. Aber das System hab ich nicht verstanden....)
Vom Hotel aus ging es an den Nil, wo bereits ein großes Motorboot auf uns wartete. Wir fuhren ca. 30 min. den Nil hoch, dann nach einer "Sumpfinsel" wieder zurück, auf die andere Nilseite. Hier wartete schon der Bus auf uns. Über die Ankunft hier, über die "Bettelkinder" und über Trinkgeld-sitten hab ich weiter unten geschrieben.
Memnonkolosse
Auf einem – gut bewachten – Parkplatz hielten wir an. Hier konnten wir die Kolosse, sicher die größten Statuen hier, fotografieren. Die hierzu gehörige Tempelanlage, die ich auf einem alten Bild noch gefunden hab, gibt es nicht mehr/ kaum noch... Ein Erdbeben soll daran Schuld sein....Ich hab die Kolosse geknipst, wie Tausende Urlauber vor mir auch....
Steinmetz
Unser Reiseleiter sagte uns, hier kann man sehen, wie die "echten" Vasen, Statuen... aus Alabaster und anderen Steinen hergestellt werden. Die Steine (ich hab mir ein paar "Steinsplitter" mitgebracht) Er zeigte uns, dass die meisten kleinen "Statuen", die angeboten werden, aus Gips oder maschinell hergestellt sind....(Aber, trotzdem sehen sie gut aus...)
Anschließend sollten wir Figuren und Vasen kaufen. Ich kaufte mir einen kleinen "echt handgemachten" Alabaster- Skarabeus. Der Kauf war – wie meist – eine Mischung aus Verkaufsgespräch, ewigem Handel (der Verkäufer und ich waren wegen der unterschiedlichen Ansichten über den Preis abwechselnd fast am heulen.... Am Ende kostete der Käfer so ca. 8 Euro... Sicher der reale Preis.
Ein Ehepaar kaufte sich 3 echt handgemachte Vasen.. für zusammen über 60 Euro....Na ja, sahen auch gut aus....
Eine andere Familie, die offensichtlich viel zu viel bezahlt hatte, bekam anschließend vom Werkstattbesitzer, nach Telefonat an unseren Reiseführer – das zu viel gezahlte Geld zurück....
Terassentempel der Königin Hatschepsut
Das ist der Tempel, wo es 1997 den Überfall der Terroristen gegeben hatte. Viele Einheimische und Touristen starben... Man erzählte uns, dass die Urlauber damals aus Hurghada mit dem Bus gekommen seien...
Nach dem Vorfall hatte es damals einen großen Einbruch der "Touristik- Industrie" gegeben. Dadurch hätten sich die Terroristen alle Sympathien in der Bevölkerung verspielt... Na ja, das ist zu verstehen, wenn man sieht, dass die meisten Ägypter auf irgendeine Art vom Tourismus zu leben scheinen.....Die Terroristen damals hätten sich in eine der Höhlen geflüchtet, in dem – vor 3000 Jahren- die Erbauer der Tempelanlage gewohnt haben, Die Militärs hätten dann eine Handgranate reingeschmissen... Unmenschlich, aber effektiv ....(Na ja, ich hab das verstanden, bin ja schließlich in Ägypten auch ein Tourist....)
Der Felsentempel an sich war ziemlich groß und mächtig. Wir haben ihn aber nur von außen gesehen....
Wir sahen auch das Haus, in dem der Entdecker von Tut Anch Amuns Grab gewohnt hat....
Tal der Könige
Weiter ging es in das berühmte Tal der Könige. Die Sonne brannte vom Himmel, es war heiß, sicher weit über 40 Grad....
Mit einer kleinen "Traktoreisenbahn" wurden wir zum Eingang des Tals der Könige gefahren. Hier, in mitten einer Wüstenlandschaft, sind über 60 (?) Gänge ins Gestein geschlagen: Die Pharaonen- Gräber...
Alle sind an Wänden und Decken mit bunten Bildern und Hyroglifen bedeckt. Das jeweilige Grab wurde angefangen zu bauen, wenn der neue Pharao eingesetzt wurde. Wenn er starb, wurde der Bau beendet. Im ersten Grab war zu erkennen, dass der Herrscher wohl zu früh gestorben war. Einige Bilder waren nicht richtig ausgemalt, gepfuscht, nur angedeutet.
Alle Gänge gehen gerade in den Berg hinein. Nur eins nicht. Bei Rhamses III mußte man einen Knick nach rechts machen. Beim Buddeln seiner Grabhöhle war man auf ein anderes Pharaonengrab gestoßen. Das , von seinem Vorgänger und Bruder.....
Unser Führer erzählte uns viele Geschichten. Über Pharaonen, Götter, Grabräuber, Tut Anch Amun (das einzige Grab , das noch "gefüllt" gefunden worden war), über der "Fluch der Pharaonen" (der eigentlich aus Pilzsporen oder Bakterien bestand)
Von einem Steinhaufen neben dem Grab Rhamses III nahm ich mir ein paar Steine mit. Einer davon hat "Bearbeitungsspuren".
Ob das die Baumeister vor 3500 Jahren waren ???
Oder die Grabräuber vor 3000 Jahren ???
oder die Archäologen, die vor 100 Jahren das Grab wiederentdeckt haben ????
Oder nur die Leute, die die Anlagen für Touristen hergerichtet haben ????
Papyros- Herstellung
Wie schon bei den "Steinmetzen" wurde uns auch hier erklärt, wie man das "historische ägyptische Gewerbe" richtig ausführt. Nun weiß ich, dass man vom Papyrosstengel zum Papyros wenigstens 2 Wochen braucht. (7 Tage einweichen, 7 Tage pressen )...
Es waren hunderte schöne Papyros- Zeichnungen ausgestellt. Ich kaufte mir ein schönes, mit viel Goldfarbe hergestelltes Bild....
Rückfahrt
Zuerst versammelten sich die 16 Busse und Kleinbusse in einer Nebenstraße in Luxor. Um genau 18.00 Uhr hörte die Stadt auf, sich zu bewegen. Alle Straßen, die der Konvoi befahren sollte, wurden gesperrt... dann setzte sich die Kolonne in Bewegung.
Wir sahen auf dem Rückweg den Film " 4 Hochzeiten und ein Todesfall" im Bord- TV... na ja, der "Fluch der Mumie" wäre sicher passender gewesen.....
Gegen 22.00 Uhr waren wir wieder zu Hause.
Es war ein langer, aber schöner Tag...