27.01.07 –
3. Tag in Luxor –
Westseite (Tal der Könige, Hatschepsut- Tempel, Tal der Königinnen) , Kaleschenfahrt

Nach einem guten Frühstück ging es um 7 Uhr auf die Westseite. Im Kleinbus waren – außer dem Fahrer und dem Reiseleiter – nur 5 Urlauber. Die anderen 4 hatten eigentlich eine andere Tour gebucht, als ich.
Zuerst gingen wir ins Tal der Könige. Trotzdem es noch relativ früh war (die Touristenbusse aus Hurghada konnten noch nicht da sein), war es im Tal schon recht voll. Eigentlich wollte ich gleich zu den Gräbern, aber zuerst erzählte der Reiseführer stundenlang von Pharaonen, Göttern, Handwerkern – also das, was man allen Touristen so erzählt.
Die Einführung dauerte fast eine halbe Stunde. Dann konnten wir endlich los. Ich schaute mir zuerst die Stelle an, wo ein deutsches Team in den letzten Monaten ein neues Grab (kein Königsgrab, aber wenigstens ein Mumienversteck, was es genau ist, wird noch untersucht) gefunden haben.
Dann ging ich etwas tiefer ins Tal, um mir 3 Königsgräber zu suchen, die ich noch nicht kenne. Und ich fand ganz tolle Gräber:
- Grab von Tutmosis III (KV 34)
Um in dieses Grab zu kommen, das sich in einer Felsspalte im Berg befindet, muß man eine lange Treppe hochlaufen. Oben angekommen geht es wieder im Grab die Treppe herunter, durch einen kleinen Vorraum und dann weiter nach unten. Überall an den Wänden sind (meist schwarze) Zeichnungen an der geglätteten Wand. Da Tutmosis einer der früheren Pharaonen der XVIII. Dynastie war, denke ich, dass zu dieser Zeit es noch nicht üblich war, an die Wänden Reliefs oder farbige Zeichnungen zu bringen. Oder das Grab ist nicht rechtzeitig fertig geworden. - Grab von Siptah (KV 34)
Das Grab ist nur im ersten Bereich fertig. Hier gibt es bunte Bilder an den Wänden.
Im nachfolgenden Bereich sind die Wände "undekoriert" – das heißt, die Wände sind uneben, nicht geglättet, nicht bemalt. Von Siptah ist bekannt, dass er ein verkürztes Bein hatte (Kinderlähmung ?) Das Grab ist über 100 m lang und ähnelt vielen anderen Gräbern
- Grab Tausret/Sethnacht
Ein reich dekoriertes Grab. An einigen Stellen kann man unvollendete Zeichnungen sehen (schwarz vorgemalt, rot korrigiert - oder ist es andersherum ??) – Jedenfalls kann man hier sehen, wie die Zeichnungen vor 3500 Jahren entstanden sind. Interessant !!!
Auf dem Weg zurück zum Kleinbus wurden wir – wie üblich- von den Händlern bedrängt, die ihre Postkarten, Statuen, Mitbringsel usw. verkaufen wollten. Hier half, wie immer, ein bestimmtes "la shukran !" (nein, danke!). Ich kaufte mir trotzdem eine Postkartensammlung für einen Euro.
Weiter ging es nach Der el-Bahari (Hatschepsut- Tempel)
Klar, das hatte ich mit Kerstin vor 2 Jahren schon gesehen. Aber da war es sehr heiß. Heute schien zwar auch die Sonne, aber mit 25 Grad war die Temperatur doch so, dass man sich alles gut ansehen konnte.
Ich sah diesmal wirklich alle "wichtigen Teile" der Anlage:
Die Hathor- Kapelle (da, wo auf den Säulen die Hathor- Köpfe sind – Frau mit Kuhohren)
Den Säulengang von Punt: dieser ist, auch wenn er toll rekonstruiert ist, nur recht schlecht erhalten. Aber man erkannt doch die wichtigen Bilder: Die Punt- Königin, die Schiffe der Hatschepsut, exotische Fische , afrikanische Tiere....
Die Geburtskapelle, die die göttliche Abstammung von Hatschepsut "dokumentiert"
und vieles Andere.
Weil wir nur Wenige waren, hatten wir auch hier die Möglichkeit, lange "individuell" im Tempel zu bleiben.
Danach gab es eine der üblichen "kurzen Pausen" bei einem der vielen "Alabaster- Werkstätten". Natürlich hab ich nichts gekauft. Es war ja schon das dritte mal, dass ich in solch einer Werkstatt war.
Interessant ist, dass das gesamte "Grabräuberdorf" zur Zeit abgerissen wird. Bis ende Februar soll hier alles abgebaut sein.

Die Altertümerverwaltung vermutet, dass es auf dem Gebiet "bis zu 100 von der Wissenschaft noch unentdeckte Gräber" gibt. Kann sein, dass man davon noch was in den Zeitungen liest, in den nächsten Monaten und Jahren.
Wir fuhren weiter ins Tal der Königinnen.
Leider sind nur 3 Gräber hier zu besichtigen, das bekannte und erst vor kurzem rekonstruierte Grab der Nefertari (Frau Ramses II) ist seit ein paar Jahren für Touristen geschlossen.
Dafür waren die 3 Gräber (davon 2 von Söhnen Ramses III), die wir gesehen haben, sehr farbenfroh und interessant. Im Allgemeinen werden die verstorbenen Prinzen (mit Jugendlocke am Kopf) von ihrem Vater den Göttern vorgestellt.
Ich sah:
- Grab Nr. 55 von Amun-Her-Chopeschet (Ramses III- Sohn, farbenfrohes Grab, Babymumie in der Ecke in einer Vitrine )
- Grab Nr. 44 von Cha-Em-Wesset (super erhalten, schöne Götterdarstellungen – ich glaube, das Grab, das mir am allerbesten gefallen hat)
- Grab von Ramses (Sohn Ramses III, nur klein, mittelmäßig erhalten)
Im Tal gibt es 75 (?) Gräber, die meist nur als "Loch im Boden" zu sehen sind. Einige der Gräber sollen angeblich "ausgebrannt" sein.
Um 13 Uhr waren wir zurück im Hotel. Die Tour war gut, auch , wenn man bedenkt, dass ich das Tal der Könige und den Hatschepsut- Tempel schon vor 2 und 5 Jahren gesehen habe.
So habe ich mir den Ägyptenurlaub vorgestellt!!!

Von ca. 13.30 bis 15.30 Uhr ging ich zum Sonnenbaden an den Pool. Ich ging auch in den Pool- der eine war mir aber zu kalt. Der Andere war beheizt. Hier konnte man es aushalten.
Kaleschenfahrt
Es war Nachmittags und ich hatte eigentlich nichts vor . Warum eigentlich nicht mal mit einer Kalesche fahren ? Klar, davor wird man gewarnt (Abzockerei!!) , aber ich wollte es mal versuchen. Was soll schon passieren ???
Als erstes schaute ich mir auf dem Weg vom Hotel in Richtung Luxor-Tempel ein paar Kutschen an:
Zum Teil arme, abgemagerte Gäule vor den Kutschen, aber manchmal auch sehr gut gepflegte Tiere mit Muster auf dem Fell. Die Kutschen selbst meist "metallbehangen" , schwarz oder dunkelblau glänzend. Aber auch hier gab es Unterschiede: einige der Kutschen sahen wirklich schrottreif aus: dreckig, speckig.. andere waren gut gereinigt, garantiert flohfrei....
Nach ein paar hundert Metern traf ich Mohammed mit seinem 1-PS-Ferrari in schwarz-blau mit braunem Pferd davor. Na ja, er nannte mir einen enorm hohen Beförderungspreis. Aber wir einigten uns auf 35 Pfund (ca. 5 Euro) für eine Stunde Rundfahrt durch Luxor.
Die Fahrt, die jetzt begann wahr spannend: es ging Richtung Luxor-Tempel, zwischen Autos und Fußgängern durch, zum Teil ging es sehr eng zu. Vor dem Tempel bogen wir nach rechts in die Innenstadt ab. Es ging immer tiefer in Einheimische Luxor". Wir fuhren durch Straßen, die zum Teil nur 50 cm breiter waren, als die Kalesche. Wir erreichten den einheimischen Markt. Hier wurde ungesäubertes Gemüse, welke Kräuter, haufenweise Gewürz, selbstgebasteltes Spielzeug usw. verkauft. – Ein typischer "Nicht- Touristen- Markt".
In einer Schlächterei hing ein vollständiges, abgezogenes Schaf an der Decke. Der Fleischer rannte mit dem abgeschlagenen Schafskopf in der Hand hinter uns her. Ich sollte ein Foto von ihm machen: mit dem Kopf in der Hand. Das tat ich – für 1 Pfund.
Dann sagte Mohammed zu mir: "Jetzt hast Du den Markt gesehen, nun zeige ich Dir eine Fabrik." Er hielt vor einem Geschäft an. Ich sagte, dass ich kein Interesse habe. Er sprach, dass sein Pferd jetzt Wasser braucht (das bekam es nie !!), also stieg ich doch ab und war sekundenschnell in ein Verkaufsgespräch verwickelt. Da ich ständig beteuerte, eigentlich nichts kaufen zu wollen, war der Preis für die 2 Parfümflaschen mit insgesamt 40 Pfund sicher nicht total überhöht (auch, wenn ich jetzt daran denke: klingt doch nach viel... Aber der Verkäufer hat bei 120 Pfund angefangen zu feilschen)..
Gut, anschließend ging es mit der Kalesche weiter über die "Nilufer-Straße" wieder Richtung Hotel. Aber nun fing das "Geldnachverhandeln" an:
1. Er sei Nubier, also bekommt er nubische Pfund (= das zehnfache) – Ich erklärte ihm, ich bin Preuße, also zahle ich mit preußischen Euros: die sind das 10fache im Vergleich zum Euro wert)
2. Er schafft es nicht in einer Stunde, also muß ich für 2 Stunden zahlen
3. Er bekommt natürlich ein gutes Trinkgeld.....
... und einiges mehr. Über diese (für mich denn doch überraschende) Feilscherei kamen wir an unserem Startplatz an.
Ich hatte ihm 60 Pfund (9 Eus) zusammengelegt: "für 2 Stunden" plus "Trinkgeld".
Ich erklärte ihm, dass das alles ist: für die tolle Tour, als Trinkgeld usw. Das Geld drückte ich ihm in die Hand. Und wollte aussteigen.
Er sagte: "Und was ist mit Trinkgeld für das Pferd ?" "Und für die Kutsche ?" – Ich sagte zu ihm: er ist nicht mein Freund, weil er mich betrügen will... und stieg schimpfend aus.
Nach 10 Metern drehte ich mich wieder um, um die Kalesche noch einmal zu fotografieren:
Mohammed winkte mir freundlich zu.. ich winkte freundlich zurück : "Guter Freund" ....Wir waren beide zufrieden.
Es war ein tolles Abenteuer.