30.01.07 –
6. Tag -
in Assuan,
Philae, Unvollendeter Obelisk, Hochstaudamm
Philae, Unvollendeter Obelisk, Hochstaudamm
Für heute hatte ich eine Fahrt gebucht. Wie ich schon wußte, war ich mit dem Reiseführer und dem Kraftfahrer alleine. Das hat sicher Vor- und Nachteile. Nachteil ist, dass sicher höhere Trinkgelder erwartet werden. Vorteile sind, dass man den Führer für sich hat, ihm viele Fragen stellen kann, ihn bitten kann, Bekanntes bei den Erzählungen auszulassen und vor Allem, dass das Tempo der Fahrt genau so groß ist, wie man es selbst will.
Zuerst fuhren wir zum Unvollendeten Obelisk. Vorbei ging es an einem riesigen moslimischen Friedhof, auf dem man Gräber, die über 300 Jahre alt sind, finden kann. Nur 2 bis 3 km von der Hotelfähre entfernt, ist ein alter, eingezäunter Steinbruch aus der Pharaonenzeit. Der Ort Assuan hat sich längst um diesen Steinbruch rings herum entwickelt. Hier sieht man viele Spuren aus der Zeit, als hier Steinblöcke, Obelisken, Säulen usw. ausgebrochen hat. Das machte man damals mit Steinen, die härter als Granit sein sollen (Davon lagen einige herum, sie sind schwarz/grün. Aber ich dachte immer, Granit ist eins der härtesten Steine ??), und mit Holzkeilen, die man durch Wasser aufquellen lässt.
Das berühmteste an dem Steinbruch ist natürlich der "unvollendete Obelisk der Hatschepsut" . Es ist nicht klar, ob er wirklich von Hatschepsut bestellt worden ist, klar ist nur, dass es in etwa in dieser Zeit gewesen sein muß und dass der Obelisk mit 42 Metern der längste geworden wäre, der je hergestellt worden ist. Aber leider gab es einen Riss im Gestein und damit war der Stein unbrauchbar. Später versuchte man, aus dem langen Block noch einen kleineren Obelisk herauszuschneiden, aber auch das mißlang, wie man deutlich sehen kann.
Nach dem Besuch des Steinbruchs fuhren wir weiter zum Staudamm. Eigentlich gibt es in Assuan ja 2 Dämme: ein erster, der um 1900 von den Engländern gebaut worden ist und den berühmten Nasserstaudamm. Dieser hat keine Betonmauern, sondern ist aufgeschüttet. Er ist ca. 4 km lang und bis zu 800 m breit. Durch den Staudamm hat sich ein riesiger See gebildet, der bis zu 150 km in den Sudan reicht. Durch den See entfallen die Nilhochwasser. Der Staudamm bringt Vor und Nachteile: Vorteile sind, dass nichts mehr überschwemmt wird, dass auch keine Dürrejahre mehr vorkommen, dass durch den See bis zu 60 % (?) der Elektroenergie, die Ägypten braucht, erzeugt werden kann, dass die Zahl der Niederschläge im Gebiet von Assuan zugenommen hat. Nachteil ist, dass der fruchtbare Nilschlamm (der die Kultur in Ägypten ja erst ermöglichte) nicht mehr die Felder erreicht. Der Schlamm sammelt sich im Nassersee an. Nachteil ist, dass viele Dörfer von Nubiern und viele historische Tempel, Gräber, Anlagen... im Nassersee verschwunden sind. Nachteil ist, dass die Insekten, Ratten und Mücken, die schwere Krankheiten übertragen, stark zugenommen haben.
Als der See kam, wurden viele Tempel versetzt (z.B. Abu Simpel wurde 25 m höher gesetzt und Philae wurde auf der Nachbarinsel neu aufgebaut), 4 Tempel wurden ins Ausland verschenkt. Eine Tempelanlage z.B. wurde vom deutschen Hoch-Tief- Konzern (?) versetzt. Dafür bekam Deutschland ein Tor geschenkt, dass ich in Berlin-Charlottenburg im damaligen ägyptischen Museum gesehen habe.
Der Staudamm wurde mit sowjetischen Ingenieuren und sowjetischem Geld gebaut, weil die Weltbank dieses Projekt nicht finanzieren wollte. Über 400 Leute starben beim Bau des Sees.
Der Ausblick vom Staudamm über den Nassersee ist interessant, man kann weit über viele kleine Inseln sehen.
Nun fuhren wir nach Philae. Das ist eine Tempelanlage, die heute auf der Insel Agilkia steht. Man sieht von dort aus kleine Steinhaufen, der Rest dessen, was mal die Insel Philae war. Zur Insel kommt man nur mit Motorboot. Natürlich hatten mein Führer und ich ein Boot für uns alleine (sonst sind dort immer Reisegruppen von 20 bis 30 Leuten drauf, aber alleine ist es natürlich viel bequemer.)
Auf der Insel befindet sich als Haupttempel ein Isis-Tempel (der Isis- Kult hat sich hier bis 300 Jahre nach Ch. erhalten. Erst dann konnten die Kopten die Bauwerke für ihre Zwecke nutzen. Schade, denn überall wo die Kopten ihre kirchlichen Anlagen hatten, sind die alten Reliefs ausgekratzt, abgeschliffen, unkenntlich gemacht, zerstört. Trotzdem sind noch viele schöne Wandbilder vorhanden.
Es gibt hier auch andere Tempel, die Horus, Hathor, Osiris, Bes ... gewidmet sind. Hier haben Pharaonen des mittleren Reichs, schwarze Pharaonen, Griechen, Römer usw. gebaut. Das sieht man an den unterschiedlichen Ausführungen der Bilder, an unterschiedlichen Säulen usw.
Nach 1 ½ Stunden auf der Insel ging es mit Boot und Auto und Boot zurück ins Hotel.
Wieder so ein Tag, wie ich mir den Urlaub vorher vorgestellt hatte !!
Um 15 Uhr ging ich an den Hotelanleger, wo eine Felucke auf mich wartete. Mit den beiden Schiffern fuhren wir den Nil runter bis zu den Gräbern der Adligen auf der Westseite. Diese Gräber liegen ca. 100 m neben dem Nilufer, in einem Berg. Hier soll es 110 Gräber geben, von denen 5 oder 6 begehbar sind.
Um 15.40 war ich am Kassehäuschen. Da eröffnete man mir, dass die Anlage um 16 Uhr schließt. Als Ausgleich dafür bekam ich einen Führer, der mich in 2 der Gräber führte. Eins davon war für einen "Elfenbeinimporteur" eines Pharaos des mittleren Reiches angelegt. Im Grab fand man daher Bilder von Elefanten (das erste mal, dass ich in Ägypten solche Tiere an Wänden sehe) und Bilder des Verstorbenen, die zeigen, dass er (wegen eines Unfalls ??) ein gebrochenes und falsch zusammengewachsenes Bein hatte.
Ein anderes, sehr großes Grab mit nur vereinzeltem Grabschmuck war für einen Verwalter und dessen Sohn angelegt. Außerdem sah ich viele Körbe mit Knochen- und Mumienteilen, die wohl nicht zuzuordnen sind. (Der Führer sagte: "Was Namen hat, ist im Museum, was keinen Namen hat, bleibt hier liegen..")
Ich konnte auch in ein verschlossenes Grab schauen, wo große Knochenhaufen herumlagen.
Plötzlich sagte der Führer: "Es ist 16 Uhr.. nun ist Schluß" Ich versuchte, mit Trinkgeld ihn von weiteren Besichtigungen zu überzeugen. Aber das ging nicht. Klar, am Eingang warteten ja auch schon die vielen schwer Kalaschnikow- bewaffneten Grabwächter auf uns.
Schade, es war eine interessante Anlage...
Um 16.45 war ich wieder im Hotel. Da die Fahrt durch Alltours organisiert war, war sie recht preiswert (5 Euro + 10 Pfund + Eintritt)
Am Abend hab ich mich ausgeruht....
Der ganze Tag hat mir sehr gefallen, war voller interessanter Sachen. Toll !!