Wir wurden mit lautem Vogelgezwitscher geweckt. Der Gesang/Lärm der tropischen Vögel machte uns endgültig bewußt, daß wir in Mexiko waren.
Vom Balkon aus konnten wir in den Palmen und tropischen Gewächsen große, schlanke schwarze Vögel sehen, die sehr laut riefen. Kleine, bunte Vögel waren auch (aber leider immer nur kurz) zu sehen.
Schnell ging es zum Frühstück. Hier lernten wir einige unserer Mitreisenden kennen. Manche, die schon eine Woche hier waren, wirkten sehr gebräunt und ausgeruht, Andere, die genau wie wir gerade mit uns aus Deutschland angekommen waren, waren noch ziemlich bleich...
Nach dem guten, obsthaltigen Frühstück fuhren wir mit dem Bus los. In Valladolid parkten wir noch kurz am Marktplatz, um Geld zu tauschen.
Dann ging die Fahrt los:
Gleich als erste Station unserer Reise stand ein ganz großes Ereignis bevor:
Chichen Itza – eins der 7 neuen Weltwunder, die bekannteste Maya- Anlage in ganz Mexiko, die Pyramide des Kukuklan, die man eigentlich mit „Maya“ verbindet, der Standort von „Chac Mool“ (dieser berühmten liegenden Plastik, die wahrscheinlich ein Opfertisch ist), die heilige Cenote...
Schön, dass Max unseren ursprünglichen Plan so umgestellt hat, dass wir früh am Tage hier sein konnten: Bei unserem Eintreffen gegen 9 Uhr war es hier noch nicht so drückend voll und die vielen Busse, die in Cancun und Playa del Carmen starten, hatten Chichen noch nicht erreicht.
Wir gingen durch den „Hintereingang“ in die Anlage. Auch, wenn es noch nicht so heiß war, die starke Luftfeuchtigkeit war doch schon spürbar (die begleitete uns den ganzen Urlaub, in unserem Hotelzimmer in Playa del Carmen wurde die gesamte Wäsche klamm, Papiertaschentücher wurden feucht, Badesachen trockneten kaum...). Auf dem Weg zu den „alten Steinen“ waren viele tropische Bäume, viele Orchideen und Kakteen zu sehen.
Wir kamen an einer Mauer vorbei, einem „Stadttor“ und ließen uns erst einmal den Gesamtaufbau der Anlage erklären. Dann liefen wir in die „Alte Stadt“, den südlichen Teil der Anlage. Zuerst blieben wir in der Nähe der südlichen Cenote stehen und bewunderten die Überreste eines kleines Tempels. Eigentlich war ich etwas enttäuscht, alles sah so klein und unscheinbar aus. Sollte das schon alles sein ???
Nach längerer Erläuterung der Cenote, ging es weiter.
(Cenoten sind die „Wasserversorgung“ der Mayastädte.: Yukatan hat keine Flüsse. Dafür aber ein großes Höhlensystem, das überwiegend unter Wasser steht. An manchen Stellen sind die Höhlendecken eingestürzt und man kommt an das Wasser heran. Wie, wenn nicht durch solche „natürliche Brunnen, die immer Wasser führen“ hätten sich die vielen Maya, die in den Städten lebten, mit Wasser versorgen können ? Fast alle Mayastädte wurden bei Cenoten errichtet. Es gibt nur wenige Ortschaften, die auf Zisternen zurückgreifen mußten. Cenoten wurden z.T. auch als Opferstätte genutzt.
Es gibt auch andere Arten von Cenoten: Tiefe Wasserlöcher, die keine Verbindungen untereinander haben. Diese sind meist durch den Meteoritenabsturz vor vielen Millionen Jahren entstanden, der auch dafür verantwortlich ist, dass die Saurier ausgestorben sind. )
Nach 5 Minuten Laufweg erblickten wir die ersten „Pyramiden“. – Ja, so stellt man sich die Mayastädte vor: ca. 20 bis 50 m hohe Pyramiden, in der Mitte jeweils eine Treppe, verziert mit Masken von Göttern. Wir waren am „Grab des Großen Priesters“. (Die Bezeichnungen der Pyramide, wie fast aller Bauwerke und Statuen der Maya haben im Regelfall nichts mit ihrer tatsächlichen Bedeutung zu tun. Die Bezeichnungen entstanden vor vielen Jahren aufgrund von Sagen der Einheimischen, aufgrund der Phantasie der spanischen Entdecker oder von internationalen Archäologen, die die Städte ausgegraben haben ... Da man erst in den letzten Jahren begonnen hat, die Maya- Schrift zu entziffern, war die tatsächliche Bedeutung der „Steine“ und Gebäude lange im Dunkeln. So hat der bekannte Chak Mool nichts mit dem Regengott Chak zu tun, sondern ist ein Opferstein in Menschenform, Das „Nonnenviereck“ in Uxmal war eine Tempelanlage und bestimmt nicht der Wohnort von Nonnen usw.)
Von hier aus gingen wir zum bekannten „Observatorium“ – Ein Gebäude, dass sicher tatsächlich zur Sonnenbeobachtung genutzt wurde. In der Nähe ist ein Gebäude mit schönen Reliefen an der Wand (das „Haus der Wandmalereien“) ....
Wir gingen weiter an einem Ballspielplatz vorbei. Chichen Itza hat ca. 13 Ballspielplätze (sagt Max, in meinem Reiseführer stehen 7)
Hier sahen wir den ersten Leguan. Später haben wir nicht mehr so genau auf diese Tiere geschaut: es gibt sie in Yukatan überall. Überall, wo es Steine gibt, sitzt eine der z.T. über einen Meter langen Echsen. Manchmal gibt es „Harems“, die aus einem großen Männchen und 3 bis 5 Weibchen bestehen. Sogar am Hotel gab es Leguane, die unter einer Treppe wohnen.Wir erreichten nun den großen Platz, auf dem die eigentlichen Attraktionen der Stadt zu bewundern waren: die berühmte Pyramide des KUKUKLAN . Das ist die Pyramide, die Grund dafür ist, dass Chichen Itza „neues Weltwunder“ geworden ist. Man sieht viele Bilder von Leuten, die die Pyramide besteigen. Aber das ist seit 2 Jahren verboten. Die Pyramide ist 24 Meter hoch, hat 365 Stufen, und an einigen Teilen Verzierungen mit „Schlangenköpfen“ – dem Symbol für Kukuklan, der gefiederten Schlange.
Auf allen Bildern sieht man eine toll rekonstruierte Pyramide. Das ist aber in Wirklichkeit nicht so. Nur die 2 Seiten, die man knipst, sind vollständig hergerichtet. An den anderen 2 Seiten gibt es viele Löcher im Gestein, unvollständige Stufen, herumliegende Steine....
In der Nähe ist eine Mauer, die aus Steinschädeln besteht. Hier wurden die Köpfe der geopferten Feinde ausgestellt. (Die Mayastädte führten häufig Krieg gegeneinander, um recht viele Feinde gefangen zu nehmen. Diese wurden dann geopfert, indem man ihnen bei lebendigem Leibe das Herz herausschnitt. Durch diese Blutopfer und durch die Blutopfer der Adligen, die sich regelmäßig die Zunge oder ihr Gemächt anpieksten, wurden die Götter besänftigt.: Die Götter hatten in der „Schöpfungsgeschichte“ ihr Blut gegeben, um die Menschen zu erschaffen. Und das müssen die Menschen nun zurückzahlen.)
Ach ja: erschaffen wurden die Maya aus Mais. Darum nannten sie sich selbst auch „Maismenschen“. Es gibt einen Maisgott, der für die Unterwelt zuständig ist. – Das Maiskorn wird beerdigt und heraus sprießt neues Leben.Damit der Mais und damit das Leben gedeihen kann, braucht es Wasser. Dafür ist der Regengott Chac zuständig, der eine große Rüsselnase hat.
Ach klar:
- da gib es noch die gefiederte Schlange Kukuklan, die den Herrscher symbolisiert.
- Da gibt es noch die „Heldenzwillinge“, die im Ballspiel die Götter besiegen.
- Da gibt es die Venus, die für die Kriege zuständig ist. Darum heißen die Kriege, die zur Beschaffung von Opfern durchgeführt wurden – und teilweise von den Gegnern vorher abgesprochen waren – auch „Venuskriege“
- Da gibt es noch die Sonne, die so heilig ist, dass ihr Symbol, der Kreis, nur religiös verwendet werden darf. Darum durften die Maya keine Räder verwenden.
Und da gibt es noch viele andere Götter und Mythen, die man als Nichtmaya eigentlich nicht verstehen kann....
Wir gingen weiter zum großen Ballspielplatz. Es ist nicht klar, ob die Sieger oder die Verlierer des „Spiels“, das sicher eigentlich ein Ritual war, geopfert wurden. Weil: Sich das Herz herausreißen zu lassen, war eine große Ehre und wichtig für die Wiedergeburt. Und nur die besten, also die Spielgewinner waren für die Götter gut genug.
Darum hatten die ja auch keine Probleme mit ihren vielen Kriegen: Entweder sie gewannen und häuften durch die Gefangennahme vieler Gegner Ruhm an oder sie verloren, dann hatten sie die große Ehre, geopfert zu werden.. (Klingt etwas unlogisch? Klar. Aber wer versteht schon Mayalogik..)
Im Ballspielplatz waren auch einheimische Besuchergruppen, die dauernd in die Hände klatschten. Die Erklärung hierfür ist einfach: Sie klatschen in die Hände, weil sie keine Tiefgaragen haben. Nein: nicht, weil sie die Götter darum bitten wollen, welche zu bauen. Sondern: Yukatan ist flach, hier gibt es nichts, was ( wie Tiefgaragen- Wände) Schall reflektieren könnte. Nur die glatten Wände der Ballspielplätze und z.T. der Pyramiden reflektieren Schall. Und dieses Echo ist für die „Einheimischen“ was völlig Unbekanntes....
Nach einer Wanderung zur 300 Meter entfernten heiligen Cenote (hier haben Archäologen mal getaucht und Tausende Opfergegenstände und über 50 Skelette gefunden. Das Trinkwasser der Maya muß etwas eigenartig geschmeckt haben...) gingen wir zum Bus zurück und fuhren zum Mittagessen.
Im späten 19. Jahrhundert wurde auf der Yaxcopoil- Hazienda Sisal aus Agaven gewonnen. Auf über elftausend Hektar standen überall diese spitzblättrigen Pflanzen, die in ihrem Inneren lange Fasern haben, aus denen man Seile herstellte.
Heute hat die Sisalagave kaum noch eine wirtschaftliche Bedeutung. Statt dessen wird überall die Blaue Agave angepflanzt. Sie ist zur Herstellung von Tequila das Grundprodukt.
Die Plantage wirkt sehr heruntergekommen. Man konnte Reste von alten Gebäuden und Einrichtungsgegenständen bewundern, Man konnte alte Maschinen sehen, die zur Fasergewinnung notwendig waren... Na ja: Wir haben es gesehen und einiges über die Geschichte vor 200 Jahren gehört...
Im Garten der Anlage gab es z.B. den „Kaugummibaum“ – einen Baum mit Apfelähnlichen Früchten, aus dessen Stamm der Kautschuk gewonnen wird, aus dem die Firma Wrigley´s den Kaugummi entwickelt hat.
Bei der Hazienda liefen überall wilde mittelgroße Hunde herum, In der Nähe war ein Kinderfest, wo sich die Kleinen alle als Tiere verkleidet hatten.
Wir erreichten das Hotel Mision, wo wir die zweite Nacht verbringen würden. Unser Zimmer hatte einen tollen Blick auf die Ruinen von Uxmal. Leider war der schöne Hotelpool von wilden, lauten Amerikaner-Tenagern belagert, die doch ziemlich störten.
Aber egal.. Wir wollten ja nur kurz hier bleiben und fuhren gleich zur Ton- und Lichtshow nach Uxmal (Wird Uschmal gesprochen) .
Nach Einbruch der Dunkelheit gingen wir in die Mayastadt. Hier waren auf einer Mauer des Nonnenvierecks Stühle aufgestellt. Wir bekamen Kopfhörer, die uns das Folgende übersetzen sollten. Die Ruinen lagen wie ein großes Theater vor uns. Sie wurden abwechselnd farbig beleuchtet. Dazu wurde ein „Hörspiel“ über die Anbetung von Chac, über den Krieg von Uxmal zu Chichen Itza, der durch eine schöne Prinzessin (Schönheit ist relativ: Ich hab viele Maya- Nachfahren gesehen. Eigentlich war niemand davon „schön“.... Zum Schönheitsideal der Maya gehörte früher, dass den Kindern mittels Holzbrettern, die auf den Kopf gebunden wurden, die Schädel abgeplattet wurden oder dass die Zähne angespitzt wurden... ) ausgelöst wurde und über viele andere Mythen.
Interessant.. klar.. Aber längst nicht so beeindruckend wie die Lichtschows in Ägypten.